Eine Notiz zur aktuellen Finanzkrise mit Blick auf das Grundeinkommen

In Deutschland erleidet gegenwärtig eine erhebliche Zahl von einfachen Sparern und Anlegern schmerzliche Vermögensverluste aufgrund der Finanzkrise. Besonders bedauernswert sind dabei sicherlich diejenigen, die von öffentlich-rechtlich organisierten Sparkassen massenhaft ohne Hinweis auf das Totalausfallrisiko zur Altersvorsorge Lehman-Brothers Zertifikate und ähnliches als sichere Geldanlage verkauft bekamen, die heute wertlos sind.

Schuld an dieser Entwicklung trägt auch die deutsche Politik, welche die Bevölkerung in den vergangenen Jahren immer wieder dazu ermuntert und aufgefordert hat, eine als Ausdruck von Ängstlichkeit gedeutete deutsche Sparmentalität abzulegen und das Geld stärker in Aktien anzulegen. Ein dafür angeführter Grund war, dass die Wertschöpfung zunehmend über Aktiengewinne anstatt über Arbeitseinkommen verteilt würde und somit für eine angemessene Beteiligung der Bevölkerung an den geschöpften Werten eine Volksaktienkultur in Deutschland Einzug halten müsse. Zweifellos ist es zutreffend, dass sich die Verteilung der geschöpften Werte zunehmend von den Arbeitseinkommen auf Unternehmensbeteiligungen verlagert: aufgrund einer technologisch bedingten fortschreitenden Entwertung des Produktionsfaktors „lebendige menschliche Arbeitskraft“ zugunsten von „Wissen“ und „Kapital“. Das spiegelt sich nicht zuletzt darin, dass die Löhne und Gehälter, zumindest im unteren bis mittleren Bereich, nicht mit dem Wirtschaftswachstum schrittgehalten haben und sogar zum Teil stagnieren oder sinken.
Das daraus resultierende Problem der Verteilungsgerechtigkeit ließe sich aber auch auf andere Weise angehen als durch die Propagierung einer Volksaktienkultur: Ein bedingungsloses Grundeinkommen wird nicht umsonst als „Sozialdividende“ bezeichnet. Es finanziert sich aus Steuereinnahmen und lässt sich als eine Ausschüttung der staatlicherseits von der Wertschöfpung legitimerweise eingezogenen Werte an alle Bürger verstehen. Und über diesen Mechanismus ließe sich die Bevölkerung auf eine Weise an Unternehmensgewinnen beteiligen, die ohne die individuellen Risiken der in den vergangenen Jahren propagierten Volksaktienkultur auskäme. Bei einem Grundeinkommen tragen alle Bürger das Risiko gemeinsam bzw. solidarisch (das Risiko sinkender Steuereinnahmen). Und es bestehen zugleich Spielräume, sinkende Steuereinnahmen im Staatshaushalt auf eine Weise abzufangen, dass das Grundeinkommen nicht automatisch mitsinken muss, vor allem nicht unter ein Niveau, das für diejenigen, die allein vom Grundeinkommen zu leben haben, für ein würdiges Leben dann zu niedrig wäre. Wer dann trotzdem auch noch individuelle Risiken der Geldanlage auf sich nähme, hätte dann imerhin eine gesicherte ökonomische Basis und Existenz.
Zitiervorschlag: Manuel Franzmann, "Eine Notiz zur aktuellen Finanzkrise mit Blick auf das Grundeinkommen," In: SocioAnalysis-Blog, 4. November 2008, https://blog.manuelfranzmann.de/2008/11/04/eine-notiz-zur-aktuellen-finanzkrise-mit-blick-auf-das-grundeinkommen/.

Ein Gedanke zu „Eine Notiz zur aktuellen Finanzkrise mit Blick auf das Grundeinkommen“

  1. Vielen Dank für diese Informationen. So schlimm auch die gegenwärtige Finanzkrise herauszukommen scheint, es benötigt vermutlich genau solch einen crash, um die Politiker auf solche Ideen zu bringen. Ohne ein solches System wie Grundeinkommen wird die Welt vermutlich immer in reiche und arme Regionen aufgeteilt bleiben. Kriege sind ja meistens Verteilungskämpfe. Falls man jetzt keine solchen Lösungen anbietet, so sind soziale Krisen zu befürchten, die dann vermutlich wieder zu Zuständen wie in den 30er Jahren des 20. Jahrhunderts führen könnten.

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